Ziele erreichen

Ziele erreichen

Ziele erreichen – wissenschaftlich betrachtet von Prof. Dr. Richard Wiseman

Prof. Dr. Richard Wiseman ist Sozialpsychologe. Seine Studien sind seit Jahren Grundlage meiner Arbeit und meines Denkens, zudem ist Wiseman sehr pragmatisch. 

Schonungslos räumt er mit vielen Mythen der Selbsthilfe- und Erfolgsindustrie auf, die von Generation zu Generation weitergeben werden, ohne das sie damit wirksamer oder richtiger werden. Wie Wiseman in diversen Studien erforscht hat (u.a. eine Studie zum Thema Zielerreichung mit 5000 Teilnehmern), führt planloses Visualisieren zum Beispiel dazu, dass ich meine Ziele eher nicht erreiche. Methoden wie „The Secret“ und „Bestellungen beim Universum“ oder Techniken wie „Affirmation“ sind nicht nur unwirksam, sondern aus dem Blickwinkel der akademischen Psychologie schlicht „Erfolgsverhinderungsmethoden“.

RW: Es gibt so viel Müll in dem Bereich der Selbsthilfe. Vor einigen Tagen bin ich in einen Buchladen gegangen, zum Regal mit den Selbsthilfebüchern – nicht weil ich das brauche, um das klar zu stellen, ich bin recht glücklich und führe ein positives Leben – und da sehe ich diese schrecklichen Hinweise, die einem kein Psychologe geben sollte. Um  hier Aufklärungsarbeit zu leisten, habe ich das Buch „Die 60 Sekunden-Veränderung“ geschrieben.

M.C.: Ich mag besonders Ihr Kapitel über Motivation und Mythen. Ganz besonders den Teil, wo Sie darüber reden, was funktioniert und was nicht funktioniert, wenn Menschen ihre Ziele erreichen wollen. Sie erwähnen dort eine Studie über Visualisierung, was momentan ja ein recht populäres Thema ist, und dass das vielleicht nicht das Effektivste ist.

RW: Das wäre ein Weg das zu sehen. Der andere ist, dass Visualisierung ineffektiv und sehr gefährlich ist. 

Die Idee ist, dass Sie, wenn Sie sich selber motivieren wollen, Ihr perfektes Ich visualisieren sollten,wenn Sie ein Ziel haben, etwas was auch immer Sie erreichen wollen. Das ist ein schrecklicher Gedanke. Fast jedes Selbsthilfebuch behauptet, dass man sich in Phantasien, Tagträume begeben soll als eine Art von Motivation. Doch das bricht schnell zusammen, denn Phantasien, Tagträume werden nicht so schnell Wirklichkeit und das demoralisiert die Menschen. 

Richtig angewandt ist Visualisierung durchaus sinnvoll. Sie sollten sich aber selber in den Schritten visualisieren, die Sie machen wollen, um das Ziel zu erreichen. Nicht das Ziel an sich. Wenn Sie also ein Examen vor sich haben, so sollten Sie sich dabei visualisieren, wie Sie den Stoff wiederholen, nicht wie Sie das Abschluss-Zertikat erhalten. Das sollte jeder wissen, denn das wird von Wissenschaftlern seit Jahren verbreitet, das sollte Allgemeinwissen sein, aber dem ist nicht so.

M.C: Welchen Einfluss hat das denn nun wirklich auf die Leute, die an diese Mythen glauben z. B. über Visualisierung oder sich ein Vorbild zu nehmen und dessen Bilder überall hinzutun?

RW: Die größte Gefahr ist, dass sie es ausprobieren und scheitern, denn manchmal ist das schlimmer, als es gar nicht ausprobieren. Denn jetzt werden sie hoffnungslos, denn wir mögen es mit der Idee zu leben, „Oh ich kann mein Leben ändern, ich suche mir einen anderen Job, eine andere Beziehung“ , uns mit diesen Gedanken auseinanderzusetzen.     So haben sie einen Hoffnungsschimmer. Wenn sie sich mit diesen Gedanken anfreunden und das Schreckliche passiert, sie scheitern, dann werden sie fatalistisch. „Es gibt nichts mehr, was ich machen kann.“ An dieser Stelle sind sie an einem ganz dunklen Punkt angelangt. Ich denke nicht, dass das was Lustiges ist, was man mal ausprobiert und wenn es nicht klappt, dann macht man einfach das nächste. Ich denke, das ist in gewissem Maße psychologisch gefährlich.

M.C.: Wo wir hier schon über Ausprobieren und Scheitern reden – es in Ihrem Buch in diesem Kapitel einen anderen Abschnitt, in dem es darum geht, was man tun sollte, um seine Ziele zu erreichen: Man sollten anderen von seinen Ziele erzählen, die Ziele also öffentlich machen. In meinen wöchentlichen E-Mails habe diesen Aspekt aufgegriffen und Feedback von vielen Leuten erhalten, die mir andere Studien gesendet haben, die das Gegenteil aufzeigen. Können wir auch darüber reden?

RW: Es hängt davon ab, wie man das macht und wer man ist. In unserer Studie  z. B. hat es bei Frauen besonders gut geklappt, denn sie wurden von Freunden unterstützt. Wenn Männer sagen, was sie erreichen wollen, gibt es andere Männer, die überlegen was sie alles tun können, damit sie ihr Ziel nicht erreichen. Die servieren dann am Ende eines Essens, wenn einer abnehmen will, noch ein großes Desserts, damit der sich am Ende des Essens schlecht fühlt und sein Ziel nicht erreicht.

Es gibt dabei also individuelle Unterschiede. Es hängt auch davon ab, wie man es der Welt erzählt, ob man es einem Freund erzählt oder in einen Blog stellt, das hat alles einen gewissen Einfluss. Ganz allgemein ist es aber zielfördernd, wenn Ziele veröffentlicht werden.

M.C: Ok. Das macht Sinn. In Bezug auf das Buch, gab es da für Sie eine Überraschung, als Sie das alles zusammengestellt haben?

RW: Der Verkauf war unglaublich gut und das überraschte mich. Ich dachte, das gäbe einen totalen Absturz. Nein, das habe ich natürlich nicht gedacht, das war ein Scherz. Was hat mich am meisten überrascht? Der Gedanke, dass Veränderung nicht so schwierig sein muss. Man muss keinen sechsmonatigen Kreativkurs belegen, um mit einer guten Idee rauszukommen.  Man muss nicht all diese DVD haben, um sich selber zu motivieren. Es gibt ganz einfache, schnelle und effektive Sachen und noch einmal, das sollte keine Überraschung sein. Das ist das, was Psychologen seit Jahren verbreiten sollten, das sollte in den Bücherregalen stehen. Tut es aber nicht. Und das ist das Problem.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Zielsetzungs- und Erfolgstechniken? Was hat bei Ihnen funktioniert, was klappt nicht? Ich freue mich über jeden Kommentar.

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